taz.de -- Kommentar Banken und Griechenland: Kein Risiko und satte Zinsen

Um den Ratingagenturen nur ja alles recht zu machen, schlucken die Eurostaaten jede Kröte. So sollen sich die Banken ohne Ausfallrisiko an den Kosten beteiligen.

Drei US-amerikanischen Priavatunternehmen namens Moodys, Standard & Poors und Fitch fällt derzeit die Rolle zu, die Art und Weise der Krisenbekämpfung in der EU zu bestimmen. Egal, welcher Griechenland-Rettungsplan gerade diskutiert wird - über die Umsetzung entscheiden einzig und allein die Ratingagenturen.

Ein teilweiser Schuldenerlass für Griechenland, eine Kostenbeteiligung der Banken? Das mag alles so vernünftig sein, wie es will - gemacht wird es trotzdem nicht. Denn die Agenturen könnten ja den Daumen senken, also Griechenland für bankrott erklären, und so eine neue globale Finanzkrise ins Rollen bringen.

Um den Ratingagenturen auch nur ja alles recht zu machen, schlucken die Eurostaaten daher jede Kröte. Der aktuelle Plan zur Kostenbeteiligung der Banken sichert diesen die volle Rückzahlung der griechischen Schrottanleihen zu, nimmt ihnen jegliches Ausfallrisiko ab - das müssen wie gehabt die Steuerzahler tragen - und verspricht ihnen dafür auch noch satte und garantierte Zinsen. Zu zahlen von dem ohnehin schon ruinierten Griechenland. Wie das gehen soll, weiß keiner. Auch die Euro-Finanzpolitiker wissen es nicht.

Hallo? Wer macht hier eigentlich die Politik in Europa? Offenbar nur eine Handvoll Analysten, die - das zeigte sich in der Lehman- wie in der jetzigen Eurokrise - auch nicht viel mehr Ahnung von der finanziellen Lage von Konzernen und Staaten haben als durchschnittlich gebildete Politiker.

Dennoch haben die Politiker, statt die Macht der Agenturen zu beschneiden oder eine öffentliche europäische Agentur als Gegengewicht zu gründen, einfach das Heft abgegeben. Ein Verdacht drängt sich da auf: Vielleicht passt es ihnen ja ganz gut in den Kram, die Banken einmal mehr zu schonen - und die Agenturen dafür den Sündenbock spielen zu lassen.

29 Jun 2011

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Nicola Liebert

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