taz.de -- Grundsatzurteil verschoben: Schwieriges Hotelverbot für NPD-Chef

Vor dem Bundesgerichtshof wird nun erst im Dezember verhandelt, ob ein brandenburgisches Wellness-Hotel den NPD-Chef Udo Voigt beherbergen muss oder nicht.

Bild: Unerwünschter Urlaubsgast: NPD-Chef Udo Voigt möchte vor Gericht durchsetzen, dass ihn ein Wellness-Hotel als Gast aufnehmen muss.

KARLSRUHE dapd | Der Bundesgerichtshof wird erst am 16. Dezember darüber entscheiden, ob ein Hotel einen Gast allein wegen dessen politischer Überzeugung abweisen darf. Die Rechtsfragen seien neu und "ausgesprochen schwierig", sagte der Vorsitzende Richter des 5. Zivilsenats des BGH, Wolfgang Krüger, am Freitag in Karlsruhe. Zuvor hatte der BGH über die Rechtmäßigkeit des Hotel-Hausverbots gegen NPD-Chef Udo Voigt mündlich verhandelt.

Voigt hatte Ende 2009 vier Tage in einem Luxushotel im brandenburgischen Bad Saarow verbringen wollen. Doch das Hotel erteilte dem NPD-Bundesvorsitzenden ein Hausverbot, weil dessen rechtsextreme politische Überzeugung nicht mit dem Ziel des Hauses zu vereinbaren sei, "jedem Gast nach Möglichkeit ein exzellentes Wohlfühlerlebnis zu bieten".

Die gegen das Hausverbot gerichtete Klage des NPD-Chefs war vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) und dem Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg gescheitert. Es sei davon auszugehen, dass sich andere Gäste durch die Anwesenheit des NPD-Chefs provoziert fühlen könnten, hieß es zur Begründung. Doch ob dies ein "hinreichender Grund für ein Hausverbot" ist, prüft nun der BGH.

Der für das Grundstücksrecht zuständige Senat verhandelte über die Revision des 59-jährigen NPD-Bundesvorsitzenden, der nicht persönlich an der Verhandlung teilnahm. Voigt verlangt den Widerruf des Hausverbots und verweist darauf, dass er sich in dem Hotel - wie bei zwei früheren unbeanstandeten Aufenthalten im "Esplanade" - nicht politisch äußern werde.

Sein Anwalt sieht in dem Hausverbot einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes. Ein Hausverbot könne leicht "uferlos" werden, wenn allein der "Makel" einer inneren politischen Überzeugung bei einem potenziellen Gast ausschlaggebend sei.

Dies könnte sich schnell auch gegen Angehörige anderer politischer Überzeugungen oder Glaubensrichtungen wie Christen oder Muslime richten. Die NPD sei zudem keine verbotene Partei und wirke in mehreren Landesparlamenten an der politischen Willensbildung mit.

"Über meine Schwelle geht nur der, dem ich das erlaube"

Der Anwalt des Hotels hielt dagegen, ein Unternehmer dürfe sein Hotel so führen, wie es für ihn selbst am besten sei. "Der Unternehmer - und nicht die Bundesrepublik Deutschland - haftet dafür, ob bei ihm die Gäste kommen oder fernbleiben", sagte der Anwalt des Hotels.

Bei einem Hotel gelte der Grundsatz: "Über meine Schwelle geht nur der, dem ich das erlaube." Zudem gebe es am Scharmützelsee, an dem das Hotel liegt, "zahllose Ausweichmöglichkeiten".

Im vorliegenden Fall gehe es auch nicht um "Daseinsvorsorge" wie bei einem Notarzt, der niemanden abweisen dürfe. Es gehe auch nicht um die Öffnung einer Einrichtung für Massen von Menschen wie bei einem Stadion oder einem Flughafen.

21 Oct 2011

ARTIKEL ZUM THEMA

Kommentar Hotelverbot für NPD-Chef: Zu differenziert, um Einfluss zu haben

Neonazis dürfen in Hotels Hausverbot bekommen, aber nicht wenn sie schon einen Vertrag haben. Das BGH-Urteil ist wohlabgewogen, wird aber bald wieder verpuffen.

Entscheidung des Bundesgerichtshofes: Hotelbetreiber dürfen Nazis ablehnen

Rechtsextremisten können wegen ihrer politischen Überzeugung von Hoteliers abgewiesen werden, entschied der BGH. Das gilt allerdings nicht in jedem Fall.

Rechtsextreme im Bezirksparlament: NPD-Chef droht neue Anklage

Zwei Politiker aus dem Berliner Bezirk Treptow-Köpenick haben Udo Voigt (NPD) wegen Verherrlichung der Waffen-SS angezeigt.

Machtkampf in der NPD: Apfel will ganz nach oben

Einst war Holger Apfel der politische Ziehsohn von Udo Voigt. Jetzt sind die beiden Konkurrenten. Apfel will an die NPD-Spitze - und holt sich Unterstützung aus der Partei.

NPD in Mecklenburg-Vorpommern: "Sehen sie, man spricht uns an"

Selbstsicher erwartet die NPD den Wiedereinzug in den Landtag. Ihre Kandidaten sind in Plauderlaune und einer trägt ein T-Shirt mit der Unterschrift vom Führer.

Neue Strategien der Rechtsextremisten: NPD fordert "seriöse Radikalität"

Die NPD kämpft mit schlechten Umfragewerten. Eine neue Strategie soll Abhilfe schaffen: weniger offene Nazi-Ideologie, mehr mehrheitsfähiger Sozial-Rassismus.

Proxied content from gemini://taz.de/%215109342 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215109342
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.