taz.de -- Vermittlungsausschuss zu Steuervorteilen: Neuer Anlauf zur Gebäudesanierung

Bund und Länder können sich nicht über Steuervorteile bei der energiesparenden Gebäudesanierung einigen. Ein Vermittlungs-ausschuss soll den Streit beilegen.

Bild: Gebäudesanierung: Wärmedämmung mit Styroporplatten

BERLIN taz| In den monatelangen Streit zwischen Bund und Ländern über die Förderung von energiesparenden Maßnahmen zur Gebäudesanierung kommt Bewegung: Das Bundeskabinett hat am Mittwoch beschlossen, den Vermittlungsausschuss anzurufen, um mit den Ländern doch noch zu einer Einigung zu kommen.

Darauf hatten Umweltverbände, Bauwirtschaft und Gewerkschaften gleichermaßen gedrängt. Bauminister Peter Ramsauer (CSU) forderte die Länder auf, nun mit dem Bund an einem Strang zu ziehen, um die Dämmung von Gebäuden attraktiver zu machen.

Nach den Plänen der Regierung sollten Hausbesitzer jährlich zehn Prozent der Kosten von Sanierungsmaßnahmen von der Steuer absetzen können. Das allerdings war im Juli am Veto des Bundesrats gescheitert. Grund waren die Kosten: Von den Steuerausfällen, bis zu 1,5 Milliarden Euro im Jahr, entfallen auf die Länder und Gemeinden 900 Millionen.

Forderungen, dass der Bund einen größeren Anteil der Kosten trage, hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bisher zurückgewiesen. Ob sich der Bund in dieser Frage nun auf die Länder zubewegt, ließ Schäubles Sprecher Martin Kotthaus am Mittwoch offen; er sei aber "zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommt", sagte er der taz.

Vertreter von Handwerk und Grundeigentümern begrüßten den Vorstoß. Auch der Vorsitzende des Naturschutzbunds Nabu, Olaf Tschimpke, appellierte an die Länder, nachzugeben. Von den Sanierungen profitiere gerade die regionale Wirtschaft. Ebenso wie die Grünen fordert der Nabu allerdings, dass der Steuerrabatt nicht am zu versteuernden Einkommen, sondern an der tatsächlichen Steuerlast bemessen werden sollte, um Spitzenverdiener nicht zu bevorteilen.

Auch für das umstrittene Gesetz über die Abtrennung und Verpressung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage, CCS) ruft die Bundesregierung den Vermittlungsausschuss an. Dies war von den Ländern abgelehnt worden - teils aus grundsätzlicher Kritik an der Technik, teils wegen einer Vetoklausel, die Schleswig-Holstein und Niedersachsen durchgesetzt hatten, um CCS in ihren Ländern zu verhindern. Wie eine Einigung aussehen könnte, ist derzeit offen.

26 Oct 2011

AUTOREN

Malte Kreutzfeldt

ARTIKEL ZUM THEMA

Neue Rechnung der Deutschen Umwelthilfe: Sanieren spart Millionen Tonnen CO₂

Der Bausektor hat hohes Potenzial für Klimaschutz. Besonders die Sanierung bestehender Gebäude spart viele Ressourcen und Emissionen.

Förderung der Gebäudesanierung: Hoffen auf den Vermittlungsausschuss

Bund und Länder verhandeln am Mittwoch über die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung. Gibt es keinen Kompromiss, gibt es kein Gesetz mehr vor 2014.

Debatte um Steuerentlastungen: Schäuble gegen Soli-Senkung

Finanzminister Wofgang Schäuble lehnt eine Senkung des Solidaritätszuschlags zur Steuerentlastung ab. Rückendeckung bekommt er dabei von der Opposition.

CO2-Reduktion in Brandenburg: Linker Minister für Braunkohle

Der Wirtschaftsminister in Brandenburg will die Klimaziele senken, weil das Bundesland weiter auf Braunkohle setzt. Die Forderung ist in der eigenen Partei umstritten.

Brennelementesteuer vor dem Aus: Geldsegen für Atomkonzerne

Nach Eon siegt jetzt RWE vor Gericht. Sie erhalten die Steuern auf Brennelemente zurück. Noch steht das Hauptverfahren aus. Dort könnte die Steuer ganz gekippt werden.

EWE-Skandal: Fehler gemacht

Die Spitze des Oldenburger Energieversorgers räumt ein: Über den dubiosen Einstieg bei den Eberswalder Stadtwerken war der Aufsichtsrat nicht informiert.

Einzigartiges Hybridkraftwerk am Netz: Kraftwerk speichert Windenergie

Energie aus Wasserstoff, Wind und Biogas. Das Hybridkraftwerk in Prenzlau ist das weltweit erste, das diese drei kombiniert und könnte die Energiewende entscheidend voranbringen.

EU-Kommissar Oettingers Energiefahrplan: "Handlanger der Atomlobby"

Wenn es nach EU-Kommissar Oettinger geht, wird die Atomkraft bis 2050 eine wichtige Rolle spielen. Doch die hohen Sicherheitskosten kann auch er nicht verleugnen.

Proxied content from gemini://taz.de/%215108985 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215108985
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.