taz.de -- Kommentar Hypo Real Estate: Schrumpft das Bankensystem
Der "Rechenfehler" bei der Hypo Real Estate zeigt: Es ist Zeit, auch die angeblichen funktionierenden Überbleibsel der Skandalbank zu liquidieren.
Rechenfehler können passieren. Wenn der Anstreicher mit den Quadratmetern oder die Telefongesellschaft mit den Tarifen durcheinanderkommt, hat man vielleicht Verständnis. Aber 55 Milliarden Euro, um die sich die verstaatlichte Münchner Pleitebank Hypo Real Estate verkalkulierte, als Rechenfehler zu bezeichnen, fällt schwer.
Denn diese Summe liegt höher als die Jahresgehälter aller in diesem Lande tätigen Lehrer. In dieser Größenordnung geht es nicht um Fehler. Es geht um Systemversagen.
Ebendavon wollen jetzt alle Beteiligten ablenken. Deshalb lautet die offizielle Frage: Wer hat vergessen, Plus und Minus richtig zusammenzuzählen? Fakt scheint zu sein, dass die von der HRE an die staatliche Auffanggesellschaft ausgelagerten Schrottpapiere nicht mit 216 Milliarden Euro Verlust für den Staat zu Buche schlagen, sondern nur mit 161 Milliarden.
Eigentlich eine gute Nachricht für uns alle - trotzdem möchte Bundesfinanzminister Schäuble die hochbezahlten Klippschüler ausfindig machen, die diesen Megabock geschossen haben.
Daneben stellen sich jedoch weitere Fragen: Ist ein Bankensystem, das das Gemeinwesen mal eben mit 55 Milliarden Euro zusätzlichen Schulden beglückt, nicht zu groß, um steuerbar zu sein? Reden wir hier über die mangelnde Professionalität der Verantwortlichen? Oder wächst die Komplexität des globalen Finanzmarkts über das Menschenmögliche hinaus?
Letzteres liegt nahe angesichts tausender Milliarden Euro, die täglich überwiesen und gehandelt werden. Die Folgerung sollte lauten: Dieses Bankensystem muss man schrumpfen. Die bisherigen Ansätze greifen zu kurz. Und was die HRE betrifft: Es ist Zeit, auch die angeblichen funktionierenden Überbleibsel der Skandalbank zu liquidieren. Wer sich um 55 Milliarden verrechnet, muss seine Banklizenz zurückgeben.
3 Nov 2011
AUTOREN
Hannes Koch
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