taz.de -- Leistungsschutzrecht: „Er hat Snipplets gesagt“

Twitter spottet, die Piraten zeigen sich staatstragend und IGEL ist noch im Winterschlaf: So wird im Internet die Entscheidung zum LSR aufgenommen.

Bild: Alles Keese: Abmahnwache vorm Brandenburger Tor

Ganz Twitter ist gegen das [2][heute im Bundestag verabschiedete Leistungsschutzrecht]. Beziehungsweise gegen das, was von ihm über ist. Ganz Twitter? Nein: Ein kleiner unbeugsamer Konzerngeschäftsführer „Public Affairs“ findet es klasse.

Okay, das ist wenig überraschend, immerhin ist Christoph Keese eine der treibenden Kräfte für das Leistungsschutzrecht, das Verlagen wie Keeses Arbeitsgeber Axel Springer die Zillionen zurückgeben soll, die Google ihnen weggenommen hat. Fast alle anderen Tweets zum Thema sind ablehnend, viele arbeiten mit Spot.

Andere mit Kritik.

Und viele Menschen – auch [3][Fefe] – zeigen ihr Unverständnis über die vielen fehlenden Oppositionsabgeordneten. Von SPD, Linkspartei und Grünen fehlten mehr Parlamentarier als der Stimmenvorsprung für das LSR (vergleich auch [4][diese Spiegel-Online-Grafik]). Wenngleich @Isarmatrose darauf eine Antwort weiß.

@vinzv hat derweil eine Host-Liste gebaut, mit der sich … aber lest selbst.

Und über den eigentlichen Sinn und Zweck des Leistungsschutzrechts wird auch gemutmaßt.

Überhaupt, die Piratenpartei. Auf ihrer Website sprechen sie von einer [5][Katastrophe]. Und auch auf Twitter verdienen sie sich den Seriositätspreis.

Einmal staatstragend sein, das ist doch auch mal schön. Okay, später kam dann noch eine Reaktion. Doch nicht so staatstragend. Auch Piratenmitglied Marcel-André Casasola Merkle hat die wichtigsten Pressekommentare zum Thema [6][zusammengetragen].

Und sonst so? Netzpolitik.org versorgt seine Leser mit einem launig-detaillierten [7][//netzpolitik.org/2013/love-blog-lsr-bundestag/:Love-, äh, Live-Blog] („Er hat Snipplets gesagt“) und [8][mit Fotos] von der Abmahnwache vor dem Brandenburger Tor am Freitagmorgen. [9][Mario Sixtus freut sich] über [10][LSR Pacman], das ein netzberühmt gewordenes Zitat von ihm – „Mit der gleichen Logik könnte ein Restaurantbesitzer von Taxifahrern Geld verlangen, die ihm Gäste bringen“ – zum Browsergame macht.

Thomas Knüwer schimpft auf [11][indiskretionehrensache.de]: „Weiterhin bleibt Deutschland die rückständigste, westliche Nation im Bereich Digital“ und fordert die Menschen im Netz auf, konsequenterweise gar nicht mehr auf Verlagsinhalte zu verlinken. Er selbst macht das schon länger. Gar nichts Aktuelles findet sich hingegen auf der Seite von [12][IGEL], der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht. Wurde man da von dem Bundestagsvotum überrascht? Hat man nicht Google News gelesen? Aber Igel sind ja manchmal etwas langsam.

Auf Rivva, als Social-News-Site direkt vom LSR betroffen, zeigt man sich in einem [13][Blogeintrag] erleichtert über den unscharfen Gesetzeswortlaut „… es sei denn, es handelt sich um einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte“: „Bis zum Dienstag (…) hatte ich noch befürchtet, ein weiteres meiner sieben digitalen Leben stünde auf dem Spiel oder dass gar all die sechs Jahre Arbeit für die Katz gewesen sein könnten. Mit dem heute vom Bundestag verabschiedeten Gesetzestext jedoch werde ich wohl leben können resp. müssen.“

Auf Snippets will Rivva aus Rechtssicherheitsgründen aber dennoch erstmal verzichten und begrenzt die Länge der Vorschautexte auf 160 Zeichen. Hm. Das ist jetzt ein trauriges Ende dieses Textes. Dann lieber noch ein wenig Twitter-Spott.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

1 Mar 2013

[2] http://taz.de/Kommentar-Leistungsschutzgesetz/!112021/

[3] http://blog.fefe.de/?ts=afce7467

[4] http://www.spiegel.de/flash/0,5532,22868,00.html#abstimmung=307&hilfe=false

[5] http://www.piratenpartei.de/2013/03/01/leistungsschutzrecht-katastrophe-fur-verleger-und-internetnutzer-passiert-bundestag/

[6] http://www.137b.org/?p=2667

[7] http://https

[8] http://www.flickr.com/photos/digitalegesellschaft

[9] http://https//twitter.com/sixtus/status/307112359879663617

[10] http://thomas-pfeiffer.de/lsr-pacman/

[11] http://www.indiskretionehrensache.de/2013/03/verlinkung-verlagsinhalte-leistungsschutzrecht/

[12] http://leistungsschutzrecht.info/

[13] http://blog.rivva.de/rivva_und_das_leistungsschutzrecht

AUTOREN

Michael Brake

TAGS

LSR

Leistungsschutzrecht

Twitter / X

Rivva

Piratenpartei

ARTIKEL ZUM THEMA

Kommentar zum Leistungsschutzrecht: Sie haben es verdient

Der Newsaggregator Rivva schaltet wegen des LSR Zeitungen aus dem eigenen Angebot ab. Das dürfte den Verlagen nicht unbedingt gefallen.

Entscheidung im Bundesrat: Das Leistungsschutzrecht geht durch

Der Bundesrat hat das Leistungsschutzrecht abgesegnet. Ausschlaggebend für die Entscheidung war die Uneinigkeit der SPD-geführten Bundesländer.

Leistungsschutzrecht im Bundesrat: NRW will LSR-Blockade brechen

Ursprünglich wollte die SPD das umstrittene Leistungsschutzrecht im Bundesrat blockieren. Doch NRW will nicht mitmachen. Damit würde die Blockade scheitern.

Blogger und Leistungsschutzrecht: Der Mensch wird nicht Maschine

Viele Blogger fürchten, dass ihnen das neue Leistungsschutzrecht schaden wird. Dabei betrifft sie das Gesetz doch gar nicht.

Twitter und die öffentliche Meinung: Doch nicht ganz Mainstream

Das Online-Netzwerk Twitter und die öffentliche Meinung in den USA sind selten deckungsgleich, sagt das Pew Research Center. Verantwortlich seien junge User.

Proxied content from gemini://taz.de/%215072229 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215072229
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.