taz.de -- Seit drei Jahren keine neue Erkrankung: Indien besiegt die Kinderlähmung
Dank einer massiven Impfkampagne ist Indien die vorläufige Ausrottung von Polio gelungen. Der Erfolg könnte Ländern wie Nigeria als Vorbild dienen.
Bild: Geimpft wird natürlich weiterhin, hier am Montag in einem Bahnhof in Allahabad.
NEU DELHI afp | Mit einer massiven Impfkampagne ist Indien die Ausrottung der Kinderlähmung gelungen. Von einem „monumentalen Wendepunkt“ sprach die Beauftragte des Kinderhilfswerks Unicef, Nicole Deutsch, am Montag in Neu Delhi.
Am 13. Januar 2011 war in Indien die letzte Erkrankung mit dem gefährlichen Polio-Erreger bei einem kleinen Mädchen in einem Slum von Kalkutta festgestellt worden. Nach drei Jahren ohne neuen Fall gilt die Krankheit in einem Land als ausgerottet.
Indien habe der Welt gezeigt, dass die Krankheit trotz hoher Bevölkerungsdichte und sanitärer Probleme bekämpft werden könne, sagte Deutsch. Sie leitete die Unicef-Kampagne gegen Polio in Indien.
In Afghanistan, Nigeria und Pakistan wird Kinderlähmung noch als Epidemie eingestuft, wobei es im vergangenen Jahr weniger Fälle in Afghanistan und Nigeria gab, wie die WHO mitteilte. „Wenn die Tendenz anhält, könnte die Krankheit 2014 in beiden Ländern verschwinden“, sagte WHO-Experte Hamid Jafari. Grund zur Sorge geben ihm zufolge die Bürgerkriegsländer Syrien und Somalia am Horn von Afrika. In beiden Regionen seien neue Fälle aufgetaucht.
13 Jan 2014
Indien
Polio
Impfung
Unicef
WHO
ARTIKEL ZUM THEMA
Indien ist poliofrei: Eine seltene Erfolgsgeschichte
Vor 30 Jahren steckten sich jeden Tag 1.000 Kinder in Indien mit dem Poliovirus an. Seit zwei Jahren gibt es die Kinderlähmung dort nicht mehr.
Politik und Polio in Pakistan: Lähmendes Misstrauen
Pakistans Taliban kämpfen gegen die Polio-Impfung als „Instrument des Westens zur Unterjochung der Muslime“. Die Zahl der Erkrankten steigt.
Krieg in Syrien: Nun auch noch Polio
Wegen des Bürgerkrieges in Syrien sind eine halbe Million Kinder nicht gegen Kinderlähmung geimpft worden. Das rächt sich nun und kann Folgen für die Region haben.
Todesursache Keuchhusten: Streitpunkt Impfstoffsicherheit
Am Keuchhusten sterben jährlich 300.000 Menschen. Nun gibt es einen besser verträglichen neuen Impfstoff. Er kann zu schweren Nebenwirkungen führen.
Nach Tötung von Mitarbeitern: WHO stoppt Impfungen in Pakistan
Vorerst wird es in Pakistan keine Impfkampagnen der WHO mehr geben – Mitarbeiter wurden ermordet. Die Taliban sehen Spione am Werk.
Kampf gegen Krankheiten in Sierra Leone: Impfung für alle
Jedes Kind in Sierra Leone soll geimpft werden. Deswegen reisen mobile Impfteams durchs ganze Land. Die Kampagne verläuft nicht ganz reibungslos, aber es gibt erste Erfolge.