Die Verbreitung von Propagandavideos des IS spielt dem Terror in die Hände. Dem amerikanischen Sender Fox News scheint das egal zu sein.
Bild: Würdevolle Erinnerung: Bilder des lebenden Muaz al-Kasaesbeh, gehalten von Verwandten.
Eine Schockwelle rollt durch die sozialen Netzwerke: Der US-Sender Fox News zeigt auf seiner Website, wie der jordanische Kampfpilot Muaz al-Kasaesbeh in einem Käfig qualvoll verbrennt – 22 Minuten lang.
Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hatte das Video zu Propagandazwecken ins Netz gestellt. Der rechtskonservative Sender Fox News wollte das Material nicht nur in Ausschnitten zeigen, sondern die amerikanische Öffentlichkeit mit den Bildern erschüttern.
Als westlicher TV-Sender ein solches Video bereitzustellen, ist ein Zivilisationsbruch. Die etablierte Hemmschwelle, die im Westen höher liegt als in muslimischen Ländern, jetzt auf Kosten des jordanischen Piloten herabzusetzen, ist ein leicht zu durchschauendes Statement gegen die Zurückhaltung der US-Regierung. Fox News muss sich vorwerfen lassen, Angst und Schrecken zu verbreiten und den Dschihadisten in die Hände zu spielen: ein Sender im Dienste des Terrors.
Aber auch für den IS hat das Verbrennungsvideo nicht nur die erwünschte Wirkung entfaltet. Für Enthauptungen durch das Schwert, Steinigungen und Peitschenhiebe mögen sich im Islam Belege finden lassen, nicht aber für Verbrennungen. Die Reaktionen fielen offenbar selbst unter den Sympathisanten skeptischer aus als gewohnt, denn der IS schob eine religiöse Rechtfertigung hinterher.
Nicht nur die Realität, auch die Bilder im Netz sind außer Kontrolle geraten. Die Veröffentlichung des Verbrennungsvideos zeigt einmal mehr, dass die größte Gefahr im Krieg gegen den Terror nicht der Terror selbst ist. Vielmehr drohen wir das zu verlieren, was wir zu verteidigen versuchen: Menschlichkeit und Menschenwürde.
5 Feb 2015
AUTOREN
Silke Mertins
Fox News
Terrorismus
Jordanien
„Islamischer Staat“ (IS)
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