taz.de -- NDR-Doku über Femen: Nackt für die gute Sache
Zwei Filmemacherinnen haben die Feministinnen der deutschen Femen-Gruppe begleitet. Eine hat sich gleich mit ausgezogen.
Bild: „Sobald du Schrift auf der Brust hast, fühlst du dich nicht mehr nackt“, sagt Femen-Aktivistin Hellen.
Was eine journalistische Grenzüberschreitung ist und ob sie gerechtfertigt ist oder gar notwendig – darüber lässt sich in vielen Einzelfällen streiten. Die Filmemacherin Stefanie Gromes wird solche Debatten wohl hervorrufen. In einer Reportage für die Reihe „[1][7 Tage ...“], die sie mit Katrin Hafemann aus dem Innenleben des deutschen Ablegers von Femen gedreht hat, ist sie zeitweilig mit blanker Brust zu sehen.
Mit Effekthascherei hat das wenig zu tun. Es ist das Konzept von „7 Tage ...“, dass die Filmemacherinnen möglichst weit aus ihrer eigentlichen Rolle herausfallen und in das Leben ihrer Protagonisten eintauchen. Was also machen als Teilzeit-Mitglied einer Organisation, die auf Oben-Ohne-Protest setzt?
„Wenn man ernstgenommen werden will, muss man das auch durchziehen“, [2][sagt Co-Autorin und Kamerafrau Katrin Hafemann]. Die Ausziehfrage stellt sich für Gromes konkret, als eine Fotosession von Femen bevorsteht. Die Journalistin beschleichen zwar Zweifel („Mach ich mich nackt, besitzt mich Google“), aber dann lässt sie sich doch „Don‘t cum on human rights“ auf den Oberkörper tuschen.
„7 Tage ... Femen“ gibt Aufschluss über das Tun der Feministinnen jenseits iher Aktionen. Man bekommt etwa mit, wie sie hasserfüllte Gesichtsausdrücke und markerschütternde Schreie einüben, und wie sie trainieren, sich möglichst lange gegen Security-Schergen zu wehren.
Ein halbes Jahr Drehzeit
Normalerweise verbringen die Autoren von „7 Tage ...“ eine Woche am Stück mit ihren Protagonisten, in diesem Fall verteilten sich die Drehtage über rund ein halbes Jahr. Das erklärt sich dadurch, dass Femen keine 24/7-Organisation ist – eine angehende Ingenieurin, die zum harten Kern gehört, ist zum Beispiel gerade im Prüfungsstress. Zudem sortiert sich der Verein gerade neu, weil eine Vorstandsfrau ausgestiegen ist.
Bei einer Protestaktion konnte Gromes in ihren Femen-Phase nicht mitmischen. So ist ihr immerhin eine Grenzüberschreitung mit möglicherweise rechtlichen Konsequenzen erspart geblieben.
29 Mar 2015
LINKS
[1] http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/7_tage/7-Tage-FEMEN,sendung352218.html
[2] http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/7_tage/Interview-Stefanie-Gromes-Katrin-Hafemann,femen200.html
AUTOREN
René Martens
Sexismus
Feminismus
NDR
Dokumentarfilm
Femen
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