taz.de -- „Mad Men“ – die letzten Folgen (9): Sidekicks und Sexismus
Noch sechsmal, dann geht eine Ära zu Ende. Die Folge „New Business“ liefert aber keinen Hinweis auf ein dramatisches Finale.
Bild: Sitzt immer noch gerne an der Theke und grübelt: Don Draper
Was ist passiert?
In Folge 8 „Severance“ hatte Don Draper kurz Sex mit der Kellnerin Diane, die ihn an irgendjemand erinnerte. Überraschend taucht Diane in der aktuellen Folge „New Business“ wieder auf. Und zwar ziemlich lange. Zu lange.
Wer kommt sonst noch vor außer Don und Diana?
Vor allem die Frauen, die in der letzten Folge nicht dabei waren, Dons Ex-Frau Betty Draper (in der Anfangsszene) und seine Noch-Ehefrau Megan, von der er sich gerade scheiden lässt, deren Mutter und Schwester. Außerdem neu dabei: die Promifotografin Pima Ryan (gespielt von Mimi Rogers) im Herrenanzug.
Die Schlüssellochszene
Roger Sterling steht mit offenem Hemd und halbgeschlossener Hose in Dons Appartment, nachdem er mit Megans Mutter im Bett war. Megan kommt rein.
Der beste Dress
Unentschieden zwischen Betty Drapers großbeblumten rosageschleiften ultralangem Nachthemdkleid und Megans popolangem durchsichtigem Nichts in himmelblau.
Der beste Drink
Die nicht gegebenen: Der Schoko-Milchshake, den Don den Kindern in Bettys Küche zubereitet, aber seinem Nachfolger Henry Francis nicht eingießt. Und der Whiskey, den Don sich selbst einschenkt, aber Harry nicht anbietet, der gerade versucht hat, seine Noch-Ehefrau Megan abzuschleppen.
Der beste Dialog
„I'm not interested“, (Megan zu Harry, nachdem er ihr offeriert hat, ihr zu helfen, einen Agenten zu finden, wenn sie mit auf sein Hotelzimmer kommt). Antwort von Harry: „Megan, you're a big girl. Maybe you're in this situation because of how you're reacting to this.“
Der Aufreger
Die Fans sind entsetzt und frustriert. Nur noch 5 Folgen und Matthew Weiner führt zwei gänzlich neue Figuren ein, Diane und Pima. Schon in der letzten Folge stellte er den Sidekick Ken Kosgrove ins Zentrum, den Werbetexter, der in sieben Jahren eigentlich nur durch seine Augenklappe und einen dadaistische Tanzperformance aufgefallen war. Die Fans wollen Peggy und Betty und Pete und Roger und Don und Joan sehen anstatt sich jetzt noch kurz vor Schluss mit Sidekicks zu beschäftigten.
Literatur
Kein Buch zu sehen in dieser Folge. Aber 1970, das Jahr, in dem diese Episode spielt, ist das Jahr, in dem in den USA zwei zu Klassikern des Feminismus werdende Bücher erscheinen: Germaine Greers „Der weibliche Eunuch“ und Kate Milletts „Sexus und Herrschaft: Die Tyrannei des Mannes in unserer Gesellschaft“
Was man hört
Yves Montand: C'est ci bon.
Hübscher Kommentar zu Megans Abgang mit Dons One-Million-Dollar-Scheck in der Trenchcoat-Tasche.
Was folgt
Es könnte sein, dass Matthew Weiner die jetzt schon enttäuschten Fans noch mehr enttäuscht uns es einfach kein Dramafinale geben wird, sondern die Beziehungen weiter vor sich hinplätschern.
14 Apr 2015
AUTOREN
Doris Akrap
Feminismus
TV-Serien
Mad Men
Serien-Guide
ARTIKEL ZUM THEMA
Sexuelle Belästigung in Argentinien: Schluss mit „Hey, Baby“
Aus Protest gegen Morde an Frauen gingen Tausende auf die Straße. Nun will Argentiniens Kongress auch verbale Belästigung unter Strafe stellen.
Mad Men – die letzten Folgen (13): Der Rhythmus der Straße
Nur noch eine Folge, dann endet eine Ära. „The Milk and Honey Route“ stellt existenzielle Fragen. Eine großartige Folge vor dem großen Finale.
„Mad Men“ – die letzten Folgen (12): Space Oddity
Nur noch zwei Folgen. Und Mad Men wird immer besser. „Lost Horizon“ bietet noch einmal alles auf, was die Serie ausmacht: Sex, Liebe, Kapitalismus, Dada.
„Mad Men“ – die letzten Folgen (11): Ein Drink allein hilft nicht
Noch viermal, dann geht eine Ära zu Ende. In der Episode „Time & Life“ dreht sich alles um berufliche Veränderung – noch ein Ende einer Ära.
„Mad Men“ – die letzten Folgen (10): Die Zukunft ist ein leeres Apartment
Noch fünfmal, dann geht eine Ära zu Ende. Die Episode „The Forecast“ stellt die großen Fragen nach dem, was kommt. Findet Don Draper Antworten?
TV-Serie „Transparent“: „Maura lebt in mir“
Leise, sensibel und langsam: Die Serie erzählt von einer Trans*Frau, die sich ein Leben lang als Mann verkleidet hat und dies erst mit 70 Jahren ändert.
„Game of Thrones“ vs. „Mad Men“: Kampf um den TV-Thron
Ob der neuen Staffel der Serie „Game of Thrones“ vergessen alle, „Mad Men“ zu schauen. So geht das nicht. Oder doch? Eine Debatte.
„Mad Men“ – die letzten Folgen (8): Das ungelebte Leben
Noch sieben Folgen, dann ist die Ära „Mad Men“ zu Ende. Die finalen Episoden der US-Serie um Werber im New York der 60er-Jahre in der Rückschau.
Finale von „Mad Men“: Tschüss, Boys!
Das Ende der Antihelden: Ab dem 5. April laufen in den USA die letzten sieben Folgen einer der stilprägendsten TV-Serien der vergangenen Dekade.
Neue Serie dekonstruiert Geschlechterrollen: Schick der Sechziger
Eine neue Fernsehserie in den USA dekonstruiert weibliche und männliche Rollenmodelle und erregt damit großes Aufsehen. Schauplatz ist die Werbeindustrie.
Emmy-Gewinner "Mad Men": Back to the Sixties
Bei der 60. Verleihung des wichtigsten Fernsehpreises der USA "Emmy" wurde mit "Mad Men" ein Sittenportrait der sechziger Jahre zum wohlverdienten Gewinner des Tages.